Die FDP ist drin – und Jens Beeck auch

Mit dem Einzug der Freien Demokraten in den Bundestag hat es auch der Lingener Rechtsanwalt geschafft.

Der 48-Jährige, auf Platz 2 der Landesliste Niedersachsens, ist neben Albert Stegemann (CDU) und Daniela De Ridder (SPD) der dritte Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Mittelems – und der einzige Emsländer in diesem Trio.

Beeck hatte den Sonntagabend mit Parteifreunden in der Gaststätte Klaas an der Frerener Straße verbracht, wo kurz nach 18 Uhr die Prognose der TV-Sender den Wiedereinzug der Liberalen in den Bundestag verkündeten. 2013 waren sie noch an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert.

Der Lingener ist seit 1991 für die FDP im Stadtrat aktiv. Als 22-Jähriger war er damals jüngstes Ratsmitglied. Von 2006 bis 2011 übernahm er auch den Fraktionsvorsitz der FDP im Kreistag des Landkreises Emsland. Mit dem Vorsitz der Vereinigung Liberaler Kommunalpolitiker in Niedersachsen kam im Jahre 2014 ein weiteres Amt hinzu.

Entbürokratisierung, Digitalisierung und Bildung sind die Politikfelder, auf die sich Beeck in der kommenden Legislaturperiode konzentrieren will. Erste Gedanken dazu kann er sich an diesem Montag ab sechs Uhr morgens im Zug nach Berlin machen. „Um 11 Uhr tagen bereits der Bundesvorstand und die neue Fraktion der FDP im Bundestag“, sagte Beeck am Sonntagabend.

Viele Gratulanten

Zahlreiche Parteifreunde hatten ihm in der Gaststätte gratuliert. Er selbst gab den Dank für die große Unterstützung in den vergangenen Wochen zurück. „Wenn uns vor zweieinhalb Jahren jemand angeboten hätte, dass die FDP 2017 mit 5,2 Prozent in den Bundestag kommt, hätte ich eingeschlagen“, sagte Beeck. Jetzt haben wir doppelt so viel, das freut uns sehr“, unterstrich der frisch gewählte Bundestagsabgeordnete unter dem Beifall seiner Parteifreunde. Darunter waren mit Ingrid Hermes und Anna Matern-Bandt auch Wegbegleiter in den sozialen Ehrenämtern, die Beeck bekleidet: Aidshilfe, Tierschutzverein, Hospizverein und der Seniorenverein „Gelingen“ sind Beispiele. Die will er auch in neuer Funktion als Abgeordneter in Berlin nicht aus den Augen verlieren, ebenso wenig wie sein Mandat im Lingener Stadtrat.

Mit politischen Versprechen hielt sich der Lingener am Sonntagabend zurück. Solche Versprechungen, die dann nicht gehalten worden seien, hätten vor vier Jahren dazu geführt, dass die FDP nicht wieder in den Bundestag eingezogen sei. Dies dürfe nicht noch einmal passieren. Entsprechend ausweichend antwortete Beeck auch auf die Frage, ob er sich eine „Jamaika-Koalition“ im Bund, bestehend aus CDU/CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen, vorstellen könne. „Ich kann mir heute nur vorstellen, dass wir allen Grund zum Feiern haben“, meinte Beeck schlagfertig und mit verschmitztem Lächeln.

 

Kommentar von Thomas Pertz:

Jens Beeck ist geerdet

Mit Jens Beeck wird der Wahlkreis Mittelems im Allgemeinen und die Region Lingen im Besonderen eine starke zusätzliche Stimme im Bundestag haben. Eine emsländische Stimme noch dazu. Dass die Freien Demokraten, für die der Lingener angetreten ist, noch hinter der AfD lediglich viertstärkste Fraktion im neuen Bundestag geworden sind, schmälert Beecks Erfolg nicht. Seinen starken Listenplatz 2 in der niedersächsischen FDP, der ihm den Einzug in den Bundestag ermöglichte, hat er sich in den vergangenen Jahren hart erarbeitet.

Wer ihn und seine kommunalpolitische Arbeit vor Ort näher kennt, der traut ihm zu, dass er sich in der kommenden Legislaturperiode auch in Berlin Gehör verschaffen wird. Der Jurist hat insbesondere durch seine inzwischen 26-jährige Arbeit im Lingener Stadtrat, aber auch auf Kreisebene bewiesen, dass er sich in komplexe Fragestellungen einarbeiten kann – und seine Schlussfolgerungen daraus auch rhetorisch brillant weiterzugeben weiß.

Das mag mitunter etwas belehrend klingen, nie aber verletzend. Beeck ist außerdem geerdet. Das Ratsmandat für die FDP in Lingen will er behalten. Sein starkes soziales Engagement in Vereinen und Verbänden ist ein Beleg dafür, dass er bestimmte Themenfelder nicht nur vom Hörensagen her kennt. Dies alles sind nicht die schlechtesten Voraussetzungen für seine künftige politische Arbeit auf Bundesebene und im Wahlkreis Mittelems.

 

Quelle: Lingener Tagespost - Lokales vom 25.09.2017 (Thomas Pertz)